Im Gespräch mit Ian Simpson
Armin Schmid leitet Bitcoin Suisse Pay, welches es Händlern ermöglicht, problemlos Zahlungen mit Kryptowährungen zu akzeptieren. Er unterstützte auch bei der Lancierung des CryptoFranc (XCHF), dem Schweizer Franken-basierten Stablecoin. Vor seiner Tätigkeit bei Bitcoin Suisse arbeitete Armin für SIX Payment Services in mehreren Rollen als Program Manager für PSD2, TWINT und Paymit; davor war er General Manager für PayPal in der Schweiz und Österreich und leitete den Bereich Strategy & Expansion für eBay Europe.
1. Von PayPal über SIX bis hin zu TWINT und jetzt Krypto – Du hast so ziemlich alles im Bereich der digitalen Zahlungen gesehen. Wo stehen wir gerade in der Evolution des Geldes?
Es ist eine grosse Ehre, Teil dieser Reise zu sein. Die Geldsysteme der Anfangszeit mit einfachen Handelsinstrumenten, Münzen oder Banknoten haben sich zu vollständig digitalen und sehr effizienten Transaktionssystemen entwickelt.
Die Zahlungsinfrastruktur entwickelt sich ständig weiter und wird immer einfachere, schnellere und sicherere Systeme benötigen. Im Mittelpunkt neuer Dienstleistungen stehen für mich die Kundenbedürfnisse, wobei es PayPal zum Beispiel geschafft hat, ein grosses Problem im eCommerce und mCommerce zu lösen. Auch TWINT entwickelte ein einfaches Peer-to-Peer-System und einen Kontozahlungsdienst, ähnlich wie Maestro. Und nun setzen Krypto-Zahlungen noch einen drauf mit noch mehr Sicherheit, Privatsphäre und Stabilität. Wir stehen mit Bitcoin und Ethereum ganz am Anfang von Krypto-Zahlungen. Kommende Layer-2-Lösungen wie das Lightning Network oder Stablecoins, oder sogar digitale Zentralbankwährungen (CBDCs), werden weitere neue Funktionalitäten hinzufügen.
Das Wichtigste dabei ist, dass die Technologie selbst in den Hintergrund rückt und für den Endkunden der Service und die Benutzerfreundlichkeit im Mittelpunkt stehen. Meiner Meinung nach wird die Interoperabilität absolut unerlässlich sein.
2. Wie ist Dein eigener Eindruck von Kryptowährungen, Blockchain und dem gesamten Sektor?
Im Jahr 2013 wurde ich das erste Mal auf Bitcoin aufmerksam mit dem ersten Hype – als der Preis bei über 1’000 USD lag. Damals habe ich ehrlich gesagt nicht allzu viel verstanden.
Die nächste Welle im Jahr 2017 hat mein Interesse wirklich geweckt und ich habe angefangen, mich mit dem “Krypto-Thema” näher zu beschäftigen. Damals arbeitete ich für SIX Payment Services an kontobasierten Zahlungsideen, die mit der Payment Service Directive 2 (PSD2) zusammenhingen, bei der die Europäische Union versucht hat, den Zugang zu Bankkonten und deren Daten für Drittanbieter zu öffnen.
Für mich sah das nicht wirklich nach der Zukunft des Zahlungsverkehrs aus. Der dezentrale Ansatz der Blockchain entspricht viel eher der eigenen Vision einer gemeinschaftsbasierten Infrastruktur. Blockchains und ihre Kryptowährungen sind auch sehr stark mit dem dezentralen/schweizerischen/föderalistischen Ansatz verbunden, der seine Wurzeln in der direkten Demokratie hat.
3. Du hast früher bei McKinsey gearbeitet – also nicht gerade ein libertärer Rebell… Wie hast du Krypto entdeckt und mehr darüber erfahren? An welche Informationsquellen hast Du Dich gewandt?
Schon in meiner Jugend war ich ein “unabhängiger Denker” und habe neben meinem Studium an der ETH Zürich einige Zeit in Asien und den USA gelebt. Dadurch wurde ich sehr aufgeschlossen gegenüber anderen Kulturen und Menschen im Allgemeinen.
1998 habe ich dann meine Karriere bei McKinsey & Company begonnen, was eigentlich sehr gut für mein persönliches und geschäftliches Leben war. Der ganze wertorientierte Ansatz war ein grosser Schwerpunkt. Bei McKinsey kann man seine Ideen einbringen, und jeder wird gehört, unabhängig von Herkunft oder Seniorität.
Mit solchen Werten trainiert man seinen Geist, um immer offen für neue Dinge, Ideen und Menschen zu sein – und das bedeutet, aus der eigenen Komfortzone herauszukommen.
Natürlich fallen auch Blockchain und Krypto genau in einen solchen Bereich, in dem man über den Tellerrand schauen muss. Damals in 2017 gab es einen solchen Hype, und ich habe angefangen, mich mit den Gründen dafür und auch mit den Menschen dahinter zu beschäftigen.
Ich schätze, man könnte sagen, ich bin ein “Krypto-Einwanderer”, kein Krypto-Native – aber das ist in Ordnung für mich. Meine Hauptinformationsquelle war/ist das Internet und auch Andreas Antonopoulos mit seinen Videos und Büchern.
4. Bitcoin Suisse Pay, bei dem Du die Verantwortung trägst, hat ein einfaches Wertversprechen, aber dar Set-Up ist nicht ganz so einfach. Warum ist ein Unternehmen wie Bitcoin Suisse notwendig, damit das alles funktioniert?
Bitcoin Suisse ist im Herzen ein Tech-Unternehmen. Das macht es auch so grossartig, neue Möglichkeiten zu erforschen. Unsere Kunden inspirieren uns ebenfalls dazu, nach Lösungen zu suchen, wie die Stadt Zug, die nach einer Krypto-Zahlungslösung fragte. Das war der Anfang von Bitcoin Suisse Pay.
Ein wichtiger Punkt für uns ist es, eine Lösung für Partner, Händler und Endkunden anzubieten, die einfach zu bedienen ist, zuverlässig und sicher. Die Kombination von Experten aus den Bereichen Recht und Compliance, Krypto und IT, operativer Betrieb, Nutzererfahrung wie User Experience usw. macht unsere Lösung einzigartig, und entwickeln den Zahlungsservice mit Kryptowährungen ständig weiter .
Mein Ziel ist es, zu versuchen, alles zusammenzubringen und das Team bei der Umsetzung der Ideen zu unterstützen – ich sehe mich als Organisator. ?






