1. EZB-Zinsentscheidung und US-Arbeitsmarkt
Die Fakten:
- Am Donnerstag kündigte die EZB eine Rekordzinserhöhung um 75 Basispunkte an. Dadurch wurde der Einlagenzinssatz auf über 0 % angehoben, um den anhaltenden Inflationsdruck einzudämmen.
- Die EZB hob ausserdem ihre Inflationserwartungen auf durchschnittlich 8,1 % im Jahr 2022, 5,5 % im Jahr 2023 und 2,3 % im Jahr 2024 an, nachdem der Verbraucherpreisindex im August mit 9,1 % einen neuen Rekord erreicht hatte.
- Trotz der schwierigen makroökonomischen Bedingungen signalisiert der US-Arbeitsmarkt weiterhin Stärke. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung fielen auf ein Dreimonatstief von 222'000 (-6'000) und lagen damit deutlich unter den Prognosen von 240'000.
Warum das wichtig ist:
- Dieser Schritt der EZB kommt mit angemessener Verspätung. Seit 2014 hielt die Zentralbank die Zinsen im negativen Bereich gehalten, um die Wirtschaft anzukurbeln.
- Da die steigenden Energiepreise nach wie vor ein Haupttreiber der Inflation sind, erklärte EZB-Präsidentin Christine Lagarde in einer Rede, dass die Regierungen und nicht die Zentralbank den Energieunternehmen helfen sollten, die durch die Marktvolatilität unter Druck geraten sind. Lagarde sagte auch, dass die aufsichtsrechtlichen Anforderungen an Clearingstellen und Derivat-Gegenparteien nicht gelockert werden sollten.
- Nach den Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung in den USA signalisierte der FED-Vorsitzende Jerome Powell, dass die Bank ihren kämpferischen Kurs und die hohen Zinssätze wahrscheinlich weiterhin beibehalten werde, um die Inflation wieder auf ein normales Niveau zu bringen.
- In diesem Zusammenhang erklärte Powell: "Je länger die Inflation deutlich über dem Zielwert bleibt, desto grösser ist das Risiko, dass die Öffentlichkeit eine höhere Inflation als Norm ansieht".
- Trotz der restriktiven Geldpolitik der FED und eines schrumpfenden BIP gibt es noch keine Anzeichen für einen weit verbreiteten Stellenabbau.





