Die meiste Berichterstattung verwechselt physische Qubits mit logischen Qubits. Ein physisches Qubit ist die tatsächliche Hardware, die hergestellt wird – beispielsweise ein supraleitender Schaltkreis oder ein neutrales Atom. Für sich genommen weist es relativ hohe Fehlerraten auf, die viel zu hoch sind, um Shors Algorithmus in kryptografisch relevantem Massstab direkt auszuführen.
Ein logisches Qubit entsteht, indem Fehlerkorrekturverfahren auf eine Gruppe physischer Qubits angewendet werden. Je grösser diese Gruppe ist, desto stärker lässt sich die Fehlerrate senken – potenziell bis auf ein Niveau, das Public-Key-Kryptografie bedrohen könnte. Während die Fehlerraten physischer Qubits durch Rauschen verursacht werden, unterliegen logische Qubits dieser physischen Einschränkung nicht in gleicher Weise. Sie könnten effektiv als ideale Recheneinheiten fungieren. Genau deshalb sind sie die Einheit, die zählt.
Wenn also ein Quantum Chip mit «tausend Qubits» angekündigt wird, sollte man zuerst fragen, ob es sich um physische oder logische Qubits handelt – und zweitens, wie hoch die Fehlerrate ist. Eine hohe Zahl logischer Qubits bedeutet wenig, wenn die Fehlerquote hoch ist. Das kann etwa daran liegen, dass die zugrunde liegenden physischen Qubits nicht gut genug sind oder dass zu wenige physische Qubits für ein einzelnes logisches Qubit verwendet werden. Ebenso wenig reicht es aus, wenn das Ergebnis lediglich Fehlererkennung statt Echtzeitkorrektur ist oder wenn es sich auf Post-Selection stützt.
Es gibt zudem keinen festen Wechselkurs: Ein logisches Qubit kann zehn physische Qubits kosten oder tausend – je nach erforderlicher logischer Fehlerrate und je nach Fehlerkorrekturcode, der wiederum nur für bestimmte Qubit-Technologien praktikabel sein kann. Man kann also nicht einfach die besten Kennzahlen konkurrierender Technologien zu einer Kurve zusammensetzen und daraus ableiten, dass wir nur noch zwei Jahre entfernt sind.
Das Ziel liegt in der Grössenordnung von tausend logischen Qubits bei etwa einem Fehler pro Billion Operationen. Heute liegen wir bei weniger als hundert – und weit entfernt von diesen Fehlerraten. Die Lücke ist gross. Das ist der ehrliche Ausgangspunkt.