Sell in May and go away?
Lustigerweise zeigt die obige Grafik, dass der legendäre und seit dem 19. Jahrhundert weitbekannte Ausdruck «Sell in May and go away» seit 2010 nicht wirklich optimal war, weder für Investoren des S&P 500 noch für Bitcoin-Investoren. Es müsste wohl eher heissen: «Say Goodbye in July», um dann im September wieder zurückzukommen – ganz nach dem Motto «Remember to come back in September», wie es in der Branche auch heisst.
Das Jahr 2024 – alles andere als normal
Die vorherig angesprochenen Saisonalitäten können einen ungefähren Überblick verschaffen, in welchen Zeiträumen Investoren und Marktteilnehmer wohl eher mit explosiveren Preisbewegungen rechnen und wann sie eher abwartend einen gewissen Abstand zu den Märkten nehmen. Über die Sommermonate, insbesondere im August und September, sind viele Marktteilnehmer in den Ferien. Die Handelsvolumina nehmen ab, und die Liquidität auf den Märkten ist entsprechend eher gering.
In diesem Jahr war allerdings viel los im August. Man erinnere sich an Anfang August, als der S&P 500 um fast 10 Prozent nach unten korrigierte und Bitcoin innerhalb weniger Tage fast 30 Prozent einbüsste. Der S&P 500 schloss den Monat August mit 2.28% im Plus, während Bitcoin fast 9% an Wert verlor. Im September hat der S&P 500 mehr als 1.5% und Bitcoin 7.5% zugelegt. Die beiden historisch schwächsten Monate sind für den S&P 500 entgegen der Saisonalität sehr positiv ausgefallen, während Bitcoin aktuell weiterhin unter dem Preis vom 1. August (64'600 US-Dollar) handelt.
Das Jahr 2024 ist auch aus anderen Gründen alles andere als normal. Im November finden in den USA die Präsidentschaftswahlen statt, und der amtierende Präsident Joe Biden ist im Sommer aus dem Präsidentschaftsrennen ausgeschieden und wurde von seiner Vizepräsidentin Kamala Harris ersetzt. Sie kandidiert nun gegen Donald Trump um die Präsidentschaft. Hinzu kommt, dass die US-amerikanische Notenbank (Federal Reserve) im September erstmals seit 2020 den Leitzins gesenkt hat, und zwar um stolze 0,5 Prozentpunkte. Doch das ist nicht alles: Auch für Bitcoin ist 2024 ein spezielles Jahr, am 19. April fand bekanntlich das vierte Halving statt. Wir werden nun einen Blick auf diese Ereignisse werfen und schauen, wie sie sich auf die Preisentwicklung von Risikoanlagen wie Bitcoin oder den S&P 500 auswirken könnten.
Das Bitcoin-Halving
Am 19. April 2024 fand das vierte Bitcoin-Halving statt. Wir hatten zuvor verschiedene Artikel dazu veröffentlicht; Sie können diese hier nachlesen. Im folgenden Abschnitt möchten wir nun die Preisentwicklung von Bitcoin nach den bisherigen Halvings mit der aktuellen Preisentwicklung im Jahr 2024 nach dem vierten Bitcoin-Halving vergleichen. Denn wie bereits erwähnt, spielen bei der Preisentwicklung die Saisonalitäten lediglich eine Nebenrolle. Spezielle Ereignisse und Neuigkeiten rund um wirtschaftliche Daten und Entscheidungen haben ebenso einen Effekt. In der folgenden Darstellung ist die Preisentwicklung von Bitcoin nach den Halvings in den Jahren 2016, 2020 und 2024 zu sehen.