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Bitcoin Suisse geht auf die Banken zu

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Bitcoin Suisse
15 Jun 2018

Der neue CEO stammt aus der alten Finanzwelt, war aber bereits zuvor «bekehrt». Arthur Vayloyan, der bis Ende September noch bei der Falcon Private Bank aktiv war, wird neuer CEO von Bitcoin Suisse, dem grössten Schweizer Broker und Verwalter für Krypto-Assets. Nach eigenen Angaben generiert die Firma monatlich rund 200 Mio. bis 300 Mio. $ Umsatz mit Krypto-Währungen und verwaltet deutlich über 1 Mrd. $ solcher Devisen. Dieses Volumen zeige, dass sein Unternehmen mehr mache, als kurzfristige Opportunitäten auszunutzen, sagt Niklas Nikolajsen, Mitbegründer und bisheriger CEO von Bitcoin Suisse.

Wenn ein Vermögensberater für seinen Kunden digitale Währungen handeln will, wendet er sich an Bitcoin Suisse, und der Broker übernimmt Handel und Aufbewahrung. Das Unternehmen aus Zug hat sich auch mit ICO (Initial Coin Offerings) einen Namen gemacht. Bereits elf solcher Emissionen von Anteilsrechten für Krypto-Währungen hat die Gesellschaft durchgeführt. Die prominenteste und umstrittenste war dabei jene von Tezos, die 206 Mio. $ einbrachte. Zahlreiche ICO sind unter der Regie von Bitcoin Suisse am Laufen. Diese digitalen Kapitalmarkttransaktionen seines Unternehmens hätten über 1 Mrd. $ eingebracht, rechne man den Kursanstieg hinzu, seien es sogar 2 Mrd. $, sagt Nikolajsen.

Ein Zeichen an den Finanzplatz Das Einsetzen des Credit-Suisse-Veteranen Vayloyan ist ein deutliches Zeichen an die Schweizer Banken, die bisher bezüglich Krypto-Vermögenswerten an der Seitenlinie warteten. Die Krypto-Finanzdienstleistungen und das traditionelle Bankgeschäft sollen enger zusammenrücken und später auch verschmelzen. Bisher war die Angst unter den traditionellen Anbietern gross, bei einem Absturz der Krypto-Währungen oder einem Verstoss gegen das Geldwäschereigesetz einen Reputationsschaden zu erleiden. Nikolajsen, der Verwaltungsratspräsident wird, hatte die Banken mehrfach kritisiert, weil sie nicht mit Bitcoin Suisse zusammenarbeiten wollten. Einzig die Falcon Bank richtete ihre Strategie diesen Herbst mit einem von der Finanzmarktaufsicht Finma bewilligten Krypto-Asset-Management auf die neuen Vermögenswerte aus. Vayloyan arbeitete bei der Falcon Private Bank als Global Head Products & Services. In der Vorbereitung dieser Kooperation seien ihm die Vorzüge und das Potenzial der Krypto-Währungen bewusst geworden.

Die üblichen Zyklen Vor einer Überhitzung des Krypto-Marktes fürchtet sich Vayloyan nicht. Am Montag kletterte der Bitcoin-Kurs auf über 8000 Fr. Alle innovativen Neuheiten durchlebten die ähnlichen Zyklen von Übertreibung, Ernüchterung und Läuterung. Er sei zuversichtlich: «Klar bestehen Risiken; der vielzitierte schwarze Schwan kann jedoch auch ein positives Ereignis sein.»

Doch die Broker-Tätigkeit für Schweizer Banken und Privatkunden soll erst der Anfang sein. In einem Joint Venture wird der Swiss Crypto Vault entwickelt. Mit dieser Speichermöglichkeit soll institutionellen Investoren die höchste Stufe der Sicherheit für die Aufbewahrung digitaler Werte angeboten werden. Wenn dereinst verschiedenste Vermögenswerte digitalisiert würden, bietet dieses Segment laut Vayloyan ein riesiges Potenzial. Bis heute ist Bitcoin Suisse Mitglied der Selbstregulierungsorganisation Verein zur Qualitätssicherung von Finanzdienstleistungen (VQF). Die Manager deuten an, dass sie weitere Lizenzierungen für ihr Unternehmen anstreben – mit dem Endziel einer Banklizenz.

Ende September kommunizierte die Finanzmarktaufsicht Finma, dass sie bei Rechtsverletzungen um ICO konsequent einschreiten werde. Gibt es Hinweise, dass ein ICO unter ein Finanzmarktgesetz (Geldwäscherei, Terrorismusfinanzierung, Bankenrecht, Effektenhandel, Kollektivanlagenrecht) fällt, führt die Finma die entsprechenden Abklärungen durch und leitet bei einer Rechtsverletzung Massnahmen ein. Diese Abklärung habe dazu geführt, dass schon weniger «luftige» Ideen in den ICO-Markt hineingetragen worden seien, sagt Vayloyan. Ganz verhindern könne man diese nicht. Es sei eine Aufgabe von Bitcoin Suisse, hier die seriösen und erfolgversprechenden Projekte auszuwählen.

Die Kapitalaufnahme von Tezos ist zwar das bis anhin zweitgrösste ICO der Geschichte, hat aber auch für viel negative Schlagzeilen gesorgt. Das US-Ehepaar Breitman nutzte für die Kapitalaufnahme eine in Zug gegründete Stiftung nach Schweizer Recht. Doch nun liegt das Ehepaar im Streit mit dem vom ihm eingesetzten Stiftungspräsidenten Johann Gevers, einem bekannten Schweizer Krypto-Unternehmer. Die Einnahmen sind blockiert, und ICO-Teilnehmer haben eine Klage eingereicht. Er könne keine Stellung nehmen, erklärt Nikolajsen. Versichern könne er aber, dass die eingesammelten Mittel, die dank der Kursentwicklung nun 400 Mio. $ wert sind, sicher seien. Zudem gebe es keine Anzeichen von Missmanagement oder dafür, dass Mittel von der Tezos-Stiftung zweckentfremdet worden seien. Diese Vorfälle, die weltweit Aufmerksamkeit erregten, seien aber nicht positiv für das hiesige Krypto-Business.

Werbeträger Stadt Zug Für viel Vertrauen habe aber das Engagement der Stadt Zug gesorgt, die ein Partner von Bitcoin Suisse ist. Obwohl das Volumen, das durch Bitcoin-Zahlungen an das Einwohner- und das Grundbuchamt generiert wird, für Bitcoin Suisse nicht entscheidend sei, habe dieser Schritt unter Investoren, Arbeitskräften und Startups viel Goodwill für die Region Zug gebracht, sagt Vayloyan. Auch die Falcon Private Bank habe sich aufgrund dieses Entscheids der Stadt Zug überzeugen lassen. Source: https://www.nzz.ch/finanzen/bitcoin-suisse-geht-auf-die-banken-zu-ld.1330540

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