• Startseite
  • Industry Blog
  • Hat Bitcoin den Boden erreicht? Was 19 On-Chain-Signale über diesen Bärenmarkt sagen

Hat Bitcoin den Boden erreicht? Was 19 On-Chain-Signale über diesen Bärenmarkt sagen

Filippo Franchini Senior Research Associate
26 Aug. 20267 Min

Der Kurssprung vom 19. August hat gemischte Reaktionen ausgelöst. Bitcoin stieg innerhalb weniger Tage von gut 60'000 USD auf über 80'000 USD, angetrieben von einem massiven Short Squeeze bei Bitcoin, erneuten ETF-Zuflüssen und der Entscheidung des US-Finanzministeriums, die Rückkäufe von Staatsanleihen am langen Ende zu verdoppeln. 

Einige rufen das Ende des Bitcoin-Bärenmarkts aus. Andere halten die Bewegung für eine Bull Trap.  

Bei Bitcoin Suisse arbeiten wir an einem Bodensignal, das On-Chain-Indikatoren und Makrodaten in einem einzigen Modell zusammenführt. Im Backtesting hat es jeden grösseren Boden eines Bitcoin-Bärenmarkts seit 2011 erfasst. Angewandt auf den aktuellen Zyklus ergibt sich ein uneinheitliches Bild, das eine genauere Betrachtung verdient, bevor man Schlüsse zieht.

Aggregierte Signalstärke: eine flache Bitcoin Bodenbildung 

Der Indikator liefert eine monatlich gemittelte Signalstärke. Sie misst, welcher Anteil der verfügbaren Signale zu einem bestimmten Zeitpunkt aktiv ist. In früheren Krypto-Bärenmärkten erreichte dieser Wert zuverlässig die von uns definierte Akkumulationszone und ging von dort in die Bodenzone über. Der Zyklus von 2015 erreichte einen Spitzenwert von 0,73, 2018 von 0,66 und 2022 von 0,75. 

In diesem Zyklus liegen wir bei 0,49. Das ist der niedrigste Spitzenwert aller Bärenmärkte in unserem Datensatz. Die Bodenperiode war mit rund 200 Tagen ebenfalls relativ kurz. Nach diesem Massstab unterscheidet sich der aktuelle Zyklus also deutlich von früheren Bärenmärkten.

Kumulative Abdeckung bei 90 % 

Betrachtet man hingegen, wie viele Indikatoren im Verlauf der gesamten Bodenperiode mindestens einmal ausgelöst haben, stehen wir bei 90 % - ähnlich wie in den drei vorherigen Bodenperioden. Allein nach diesem Mass entspricht die kumulative Abdeckung früheren bestätigten Böden.

Das Bitcoin NUPL-Signal fehlt 

Genau deshalb ist der Boden jedoch noch nicht bestätigt. Betrachtet man die einzelnen Indikatoren, ähnelt die Zusammensetzung dieser Bodenphasen nicht jener früherer Marktzyklen. 

Bitcoin NUPL (Net Unrealized Profit/Loss) misst, ob der Markt insgesamt auf aggregierten Buchverlusten sitzt. Der Wert erreicht null, wenn der Bitcoin-Preis dem Bitcoin Realized Price entspricht, also dem durchschnittlichen Wert aller Coins zum Zeitpunkt ihrer jeweils letzten On-Chain-Bewegung, was im Grunde dem netzwerkweiten durchschnittlichen Einstandspreis entspricht. Der aktuelle Bitcoin Realized Price liegt bei 52'730 USD. 

Bitcoin NUPL war bislang ein sehr verlässlicher Indikator für Bitcoin-Böden. Er hat bei jedem einzelnen Boden der vorherigen Zyklen ausgelöst. Jedes Mal sank der BTC-Preis auf oder unter den Bitcoin Realized Price – und dieser Moment markierte jeweils den absoluten Tiefpunkt. In diesem Zyklus ist das nicht eingetreten. 

Eine Einschränkung gibt es allerdings. Verwendet man ein rollierendes 10. Perzentil über vier Jahre als dynamische Schwelle anstelle der harten Nulllinie, hat NUPL ausgelöst. Legt man hingegen die horizontale Nulllinie an, den üblichen Massstab, dann nicht. Die Situation ist in jedem Fall ungewöhnlich.

Zyklen im Vergleich 

Stellt man die Zahlen über alle fünf Perioden zusammen, wird die Uneindeutigkeit deutlich.

Der aktuelle Bitcoin-Zyklus weist die niedrigste Signalstärke auf, die wenigsten gleichzeitig aktiven Tagesindikatoren und mit 3,80 Jahren den längsten Abstand zwischen zwei Böden. Die kumulative Abdeckung liegt allerdings weitgehend im historischen Rahmen. Wie sich die Länge des Bitcoin-Zyklus im Verhältnis zum Halving-Zeitplan entwickelt hat, zeigt unsere Analyse des Halving-Marktzyklus. 

Statistische Signifikanz haben diese Daten nicht. Uns stehen vier frühere Zyklen zum Vergleich zur Verfügung; entsprechend schwer lässt sich mit Sicherheit beurteilen, was hier geschieht. Man kann argumentieren, dass diese Bodenperiode kurz war. Man kann ebenso argumentieren, dass sie sich erstmals seit drei Bärenmärkten anders darstellt. Der Zyklus von 2018 war mit 213 Tagen ähnlich kurz, selbst die Dauer ist also nicht aussagekräftig. 

Das uneinheitliche Signal einordnen 

Dieser Bitcoin-Bärenmarkt hat sich nach diesen Massstäben anders verhalten als seine Vorgänger. Die täglichen Signale waren flach. Die Bodenperiode hat nicht die konzentrierten Stresstage hervorgebracht, die wir in früheren Zyklen gesehen haben. Und ausgerechnet der Indikator, der bei jedem früheren Bitcoin-Boden angeschlagen hat, ist diesmal stumm geblieben. 

Gleichzeitig haben 90 % der von uns verfolgten Indikatoren irgendwann ausgelöst. Und die Makrokatalysatoren hinter der jüngsten Rallye – Liquiditätsunterstützung des US-Finanzministeriums, institutionelle ETF-Zuflüsse und zunehmende regulatorische Klarheit – deuten auf etwas Strukturelleres hin als eine rein stimmungsgetriebene Erholung. 

Vielleicht hat dieser Zyklus eine andere Zusammensetzung, weil sich der Markt selbst verändert hat: ein längerer vorangegangener Bullenmarkt, beständigeres institutionelles Kapital und eine Makropolitik, die mehr bewegt als On-Chain-Dynamiken. Oder vielleicht sagt uns Bitcoin NUPL etwas, das die anderen Indikatoren nicht erfassen können.

Artikel-Foto ist AI-generiert.

Verwandte Artikel

  • Market Insights

    Warum fällt Bitcoin, während Aktien steigen?

    Warum steht Krypto unter Druck, während Aktien 2026 zulegen? Bitcoin Suisse erläutert den Warsh-Effekt, die erneute Kopplung von Gold und Krypto sowie die divergierende Entwicklung der Anlageklassen im ersten Halbjahr 2026.

    18 Aug. 20267 Min
  • Market Insights

    Was der Coldcard-Exploit für Krypto-Wallet-Sicherheit und Verwahrung bedeutet  

    Der Coldcard Firmware-Exploit hat über 2’000 BTC aus mehr als 7’000 Wallets entwendet. Was er für Hardware Wallet Sicherheit und Krypto-Verwahrung bedeutet. 

    7 Aug. 20267 Min
  • Market Insights

    Krypto-Fundamentalanalyse: Warum Revenue Multiples entscheidend sind

    Das Bitcoin Suisse Revenue Dashboard macht Protokollumsätze für die Krypto-Fundamentalanalyse nutzbar: mit Revenue Multiples, Sektor-Klassifizierungen und einer Einordnung der Global Crypto Taxonomy.

    5 Aug. 20266 Min

Individuelle, persönliche Kundenbetreuung - Immer an Ihrer Seite

Unser Team aus ausgewiesenen Krypto-Experten steht Ihnen mit den passenden Tools, wertvollen Einblicken und erstklassiger, individueller Kundenbetreuung zur Seite.

Öffnungszeiten

24/7 online

Montag bis Freitag: 7Uhr bis 19Uhr

contact@bitcoinsuisse.com

0800 800 008

Anrufe aus der Schweiz (gebührenfrei)

+41 41 660 00 00

Anrufe aus dem Ausland