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Krypto-Treasuries und der HYPE ETF: Warum Bilanzen den ETF-Flows vorausgingen

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Bitcoin Suisse
24 Juni 20269 Min

Zwischen Mitte Mai und Anfang Juni verzeichneten US-Spot-Bitcoin-ETFs die längste Serie an Nettoabflüssen seit ihrer Lancierung im Jahr 2024: Über 13 aufeinanderfolgende Handelstage wurden rund USD 4,3 Milliarden abgezogen, wobei der Druck bis in eine vierte Woche anhielt. Ethereum-Fonds erreichten ebenfalls eine Rekordserie an Abflüssen, während Solana- und XRP-Produkte uneinheitliche, insgesamt weitgehend stagnierende Mittelbewegungen verzeichneten.

Eine Kategorie entwickelte sich gegen diesen Trend. Spot-HYPE-ETFs, die den Token der Kryptobörse Hyperliquid abbilden, wurden Mitte Mai lanciert und verzeichneten über den gesamten Zeitraum hinweg stabile Zuflüsse. Einigen Flow-Trackern zufolge waren sie das einzige Krypto-ETF-Produkt, das während des Ausverkaufs keine Abflüsse hinnehmen musste. Die Erklärung dafür war bereits Wochen vor Handelsstart dieser Produkte in den Bilanzdaten sichtbar.

Was ist eine Krypto-Treasury?

Unternehmen, die Krypto-Vermögenswerte als langfristige Reserven in ihren Bilanzen halten – sogenannte Digital Asset Treasuries (DATs) –, schaffen eine Nachfragequelle, die in früheren Zyklen fehlte. Eine Krypto-Treasury erzeugt eine dauerhafte Nachfrage, die unabhängig von der Stimmung im Retail-Markt oder von ETF-Flows wirkt. Unser Research-Team hat diese Gruppe in der Mai-Ausgabe des Industry Rollup analysiert, mit Daten bis zum 30. April.

Die Akkumulation von Bitcoin und Ethereum durch Treasury-Unternehmen nahm trotz fallender Preise weiter zu, vor allem getragen von Strategy und BitMine. Die Akkumulation von Solana und BNB hatte dagegen weitgehend stagniert – ein Hinweis darauf, dass die Nachfrage von Krypto-Treasury-Unternehmen selektiver wurde und nicht mehr den gesamten Markt gleichermassen erfasste.

Ein Asset hob sich deutlich ab. HYPE war das einzige Asset im Datensatz, dessen Treasury-Unternehmen mit einem Aufschlag gegenüber dem Wert der von ihnen gehaltenen Krypto-Vermögenswerte gehandelt wurden – also mit einem positiven mNAV. Die Logik ist dieselbe wie bei geschlossenen Fonds: Bei einem Aufschlag kann ein Krypto-Treasury-Unternehmen neue Aktien ausgeben und weitere Einheiten des zugrunde liegenden Assets kaufen, ohne das Exposure bestehender Aktionärinnen und Aktionäre zu verwässern. Der Finanzierungskanal für weitere Akkumulation bleibt damit offen. Ende April hielten diese Vehikel knapp 9% des umlaufenden HYPE-Angebots – auf Free-Float-Basis deutlich mehr als bei Bitcoin, Ethereum, Solana und BNB.

Wie Digital Asset Treasuries die Lancierung der Hyperliquid-ETFs geprägt haben

Die Analyse ging noch einen Schritt weiter. Sie verwies darauf, dass Änderungen an ETF-Anträgen auf einen zunehmend greifbaren Genehmigungspfad für einen Hyperliquid-ETF hindeuteten. Zugleich beschrieb sie, in welches Marktumfeld solche Produkte lanciert würden: Da Digital-Asset-Treasury-Vehikel über Monate hinweg Angebot absorbiert hatten, verfügten frühe Inhaber bereits vor dem Start passiver Produkte über einen klaren Verkaufsweg. Neue Nachfrage durch HYPE-ETFs würde daher auf einen engeren Free Float und eine bestehende Basis an Krypto-Treasury-Nachfrage treffen – mit geringerem Risiko, lediglich auf aufgestauten Verkaufsdruck zu stossen. Genau dieses Muster hatte mehrere frühere Krypto-ETF-Lancierungen geschwächt.

Die Genehmigungen kamen schneller als erwartet. Zwischen Mitte Mai und dem 3. Juni wurden in den USA drei Spot-HYPE-ETFs lanciert – nur wenige Wochen nach der Analyse. Das Zuflussverhalten der Krypto-ETFs seither entspricht dem damals beschriebenen Setup: stabile Zuflüsse in einer Phase, in der die beiden grössten Krypto-ETF-Kategorien ihre bislang längsten Abflussserien verzeichneten.

Allein durch Neuheitswert lässt sich das nicht erklären. Der BNB-ETF, der im selben Zeitraum lanciert wurde, verzeichnete nur an einem einzigen Tag Nettozuflüsse. Neue Produkte ziehen Kapital an, wenn es einen Grund für eine Allokation gibt – und dieser Grund hatte sich über ein Jahr hinweg in den Bilanzen von Krypto-Treasury-Unternehmen aufgebaut.

Worauf zu achten ist

Das Beobachtungsfenster ist kurz. Einige Wochen an Flows während einer Lancierungsphase zeigen lediglich, dass die Daten mit einer These übereinstimmen – mehr nicht. Zuflüsse sind zudem keine Kursstütze: HYPE ist im Juni gemeinsam mit dem breiteren Markt deutlich gefallen.

Auch die Angebotsfrage bleibt offen. Das umlaufende Angebot von HYPE ist im Verhältnis zur vollständig verwässerten Bewertung niedrig. Ein grosser Teil des Gesamtangebots ist noch nicht im Umlauf – vergleichbar mit einem Unternehmen, bei dem viele Aktienoptionen noch nicht gevestet sind.

Das Protokoll wirkt diesem Überhang entgegen. Der Grossteil der Einnahmen aus Handelsgebühren fliesst in den Rückkauf und das Burning von HYPE. Zuletzt wurde berichtet, dass diese Entnahmen das neu freigesetzte Angebot aus Vesting übersteigen. Dieser Ausgleich wird durch Handelsgebühren finanziert und hängt daher von anhaltender Handelsaktivität ab.

Krypto-Treasuries als Frühindikator für ETF-Nachfrage

Die zentrale These der Mai-Analyse hat Bestand: Corporate Crypto Treasuries sind dort zu einer dauerhaften Nachfragequelle geworden, wo die Finanzierungsmechanik dies zulässt. Der Juni ergänzt diesen Befund um einen praktischen Punkt: Nachfragekonstellationen, die für börsengehandelte Produkte später relevant werden, sind häufig bereits in Bilanzdaten sichtbar, bevor diese Produkte überhaupt existieren.

Für Allokatoren, die eine Bitcoin-Treasury-Strategie prüfen oder neuere Digital-Asset-Treasury-Vehikel bewerten, ist das ein Grund, genau zu beobachten, wo langfristige Käufer akkumulieren – und nicht nur, wo Krypto-ETF-Zuflüsse dies später bestätigen.

Die ursprüngliche Analyse ist im Bitcoin Suisse Mai 2026 Industry Rollup erschienen.

Quelle: Bitcoin Suisse. Daten: Glassnode, CoinGecko, Artemis. Daten per 30. April 2026.

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