Der Weekly Wrap: Von US-Shutdown bis Uptober

Die Top-Schlagzeilen dieser Woche: US-Shutdown, Krypto-Steuern im Senat, EU-Aufsicht gegen Multi-Issuance-Stablecoins
Märkte ignorieren US-Regierungsstillstand – Krypto-ETF-Pipeline blockiert
- Am Mittwoch, 1. Oktober, konnte der US-Kongress keine Budgets zur Finanzierung mehrerer Bundesbehörden verabschieden – damit kam es erstmals seit 2019 zu einem Regierungsstillstand in den USA.
Das Szenario war weitgehend erwartet worden – die Prognoseplattform Polymarket sah die Wahrscheinlichkeit bei 79 %. Entsprechend trübte der Shutdown die Stimmung an den Risikoanlagenmärkten kaum. „Ein US-Regierungsstillstand sollte abgesehen von verzögerten Daten und Schlagzeilenlärm ein Nicht-Ereignis für die Märkte sein“, kommentierte das Handelshaus QCP Capital in seinem jüngsten „Asia Color“-Research.
Während die Märkte relativ unbeeindruckt blieben, hat der Stillstand jedoch konkrete Folgen für Krypto-ETFs: Die SEC hat die Prüfung von Anträgen für entsprechende Finanzprodukte ausgesetzt. Mehr als 90 hängige Anträge für Spot-ETFs auf verschiedene Kryptowährungen liegen nun auf Eis.
Experten plädieren für Steuerfreigrenze bei Krypto-Zahlungen
- Am selben Tag wie der Shutdown hielt der US-Senatsausschuss für Finanzen eine Anhörung zur Besteuerung von Krypto-Vermögenswerten ab. Dort sprach ein Panel von Branchenexperten, darunter Lawrence Zlatkin, VP der Krypto-Börse Coinbase. Er forderte den Ausschuss auf, eine de-minimis-Steuerbefreiung für Kryptotransaktionen unter 300 USD in Betracht zu ziehen. Dies würde den kommerziellen Einsatz von Krypto-Zahlungen fördern und sicherstellen, dass Innovation innerhalb der USA stattfindet. „Die gleichen Steuerregeln sollten für die gleiche wirtschaftliche Aktivität gelten – unabhängig davon, ob es sich um Rohstoffe, Aktien oder Tokens auf einer Blockchain handelt“, sagte Zlatkin.
Die langjährige Krypto-Skeptikerin, Senatorin Elizabeth Warren aus Massachusetts, widersprach und argumentierte, dass Sonderregelungen für Krypto auf Kosten anderer Anlageklassen gehen würden, die Investoren zugunsten von Steuervorteilen mit Krypto verlassen könnten.
EU stellt sich gegen Multi-Issuance-Stablecoins
- Während sich in der vergangenen Woche mehrere Banken der Europäischen Union zusammenschlossen, um einen MiCA-konformen Stablecoin zu emittieren, empfahl der europäische Finanzaufseher, der European Systemic Risk Board (ESRB), mit einer gegensätzlichen Bewegung ein Verbot von sogenannten Multi-Issuance-Stablecoins. Dabei handelt es sich um Stablecoins, die gleichzeitig in der EU und in anderen Jurisdiktionen herausgegeben werden – wie beispielsweise von Paxos oder Circle. Nach Ansicht des ESRB bergen diese ein systemisches Risiko, da Emittenten mit Aktivitäten sowohl in der EU als auch im Ausland uneinheitlichen regulatorischen Vorgaben und unterschiedlichen Standards im Reservemanagement unterliegen könnten. Die Empfehlung ist rechtlich nicht bindend, erhöht jedoch den Druck auf die EU-Mitgliedstaaten, entsprechende Beschränkungen einzuführen.
Ein kurzer Krypto-Überblick – Bitcoin zurück bei 120’000 USD
Getragen von der Welle des Anlegerskeptizismus nach dem US-Regierungsstillstand stieg Bitcoin auf ein 7-Wochen-Hoch von 120’000 USD. Diese Bewegung belebte die Anlegerstimmung, da sich der Oktober traditionell als der bullischste Monat für BTC erweist. In 10 der vergangenen 12 Oktober legte Bitcoin zu – was zur Prägung des Begriffs „Uptober“ führte. Bereits zu Wochenbeginn hatten die Kryptomärkte nach den heftigen Verlusten der Vorwoche wieder Fahrt aufgenommen, Altcoins stiegen um 3–4 % und löschten Short-Positionen im Wert von fast 260 Millionen USD aus.
Abgesehen von einer gewissen institutionellen Zurückhaltung erleben Stablecoins derzeit ein parabolisches Wachstum, wie Analysten wie Miles Deutscher betonen. Unter den „klaren Gewinnern“ für das vierte Quartal hob er Coins hervor, die an DEXs, KI und Stablecoins gebunden sind. Mit einem globalen Stablecoin-Angebot von über 297 Milliarden USD erwarten viele, dass die Marke von 1 Billion USD mittelfristig überschritten wird – getragen von der wachsenden Nutzung durch Institutionen und sogar staatliche Akteure.
Allein in der vergangenen Woche haben mehrere Stablecoin-Projekte Gestalt angenommen. Die französische Bank Société Générale kündigte die Einführung ihrer Stablecoins USD CoinVertible und EUR CoinVertible auf den DeFi-Protokollen Morpho und Uniswap an. Circles neu bekanntgegebene Zusammenarbeit mit der Deutschen Börse Gruppe zielt darauf ab, die Stablecoins USDC und EURC in die Finanzmarktinfrastruktur der Deutschen Börse zu integrieren. Gleichzeitig bereitet sich Polkadot auf die Lancierung eines neuen Stablecoins pUSD vor – über einen Community-Vorschlag, der das DeFi-Potenzial freisetzen und die Abhängigkeit von anderen Stablecoins verringern soll.
Chart der Woche – Ethereums bestes Quartal seit 2021
Mit dem offiziellen Abschluss des dritten Quartals am 30. September zeigen die Quartalsdaten von CoinGlass, dass es für Ethereum das beste Quartal seit Q1 2021 war: Die Erträge lagen bei fast 69 % im Vergleich zu 6,41 % bei Bitcoin. Zwar näherte sich Ethereum in den ersten Quartalen 2022 und 2023 mit 52 % bzw. 60 % diesen Höhen an, blieb aber deutlich hinter der Euphorie von 2021 zurück, als es im ersten Quartal um über 160 % zulegte.

Was passiert On-Chain? – Bitcoin-Anlegerverhalten verändert sich, Zcash steigt stark, Asien treibt Adoption voran
Mit dem erneuten Anstieg von Bitcoin über die Marke von 120’000 USD deuten On-Chain-Daten darauf hin, dass die Bewegung durch ein verändertes Anlegerverhalten gestützt wird. Langfristige Anleger, die im Frühjahr kontinuierlich Gewinne realisierten, reduzieren ihren Verkaufsdruck. Gleichzeitig treten kurzfristige Anleger auf den Plan und nehmen Coins zu höheren Kursen auf – ein Hinweis auf erneuertes Vertrauen in die Stabilität über sechsstelligen Niveaus. Historisch hat diese Dynamik die frühen Phasen einer neuen Akkumulationsperiode signalisiert. Sollte sich das Muster bestätigen, könnte es eine solidere Basis für den nächsten Aufwärtsschub von Bitcoin schaffen.
Doch Bitcoin ist nicht die einzige Kryptowährung im Aufwind. Privacy Coin Zcash legte am Mittwoch um über 70 % zu und erreichte damit ein 3-Jahres-Hoch. Der schnelle Anstieg folgte auf die Ankündigung der DEX Thorswap, dass ihre Nutzer nun ZEC gegen BTC tauschen können. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die beschleunigte Einführung verschiedener Central Bank Digital Currencies (CBDCs) und die zunehmende regulatorische Überwachung von Krypto den Anstieg ausgelöst haben. „Bitcoin ist eine Versicherung gegen Fiat“, sagte AngelList-Mitgründer Naval auf X, „Zcash ist eine Versicherung gegen Bitcoin.“
Währenddessen bleibt Asien Vorreiter bei der globalen Krypto-Adoption. Laut einer Studie von Apex Protocol halten 24,4 % der Bevölkerung Singapurs digitale Assets – mehr als doppelt so viele wie die 11 % im Vorjahr. Zudem hob Circle die Region Asien-Pazifik als den am schnellsten wachsenden Stablecoin-Markt hervor und berichtete von 2,4 Billionen USD an On-Chain-Aktivität zwischen Juni 2024 und Juni 2025.
Kapitalflüsse bei digitalen Anlageprodukten – Bitcoin- und Ethereum-ETFs verzeichnen wieder Kapitalzuflüsse
Vor einer Woche verzeichneten digitale Anlageprodukte Abflüsse von 812 Millionen USD, da die Erwartungen auf zwei US-Zinssenkungen in diesem Jahr nach stärker als erwartet ausgefallenen Wirtschaftsdaten zurückgingen. Getrieben von Inflationssorgen summierten sich die Abflüsse aus kombinierten Spot-BTC- und ETH-ETFs auf 1,7 Milliarden USD und beendeten damit eine einmonatige Serie von Zuflüssen.
Die grössten Abflüsse entfielen auf die USA (-1 Milliarde USD). Resilienz zeigte sich jedoch in anderen Regionen, mit Zuflüssen in der Schweiz (+126,8 Mio. USD), Kanada (+58,6 Mio. USD) und Deutschland (+35,5 Mio. USD) – ein Hinweis darauf, dass die negative Stimmung auf die USA beschränkt war. Zuflüsse verzeichneten zudem neu lancierte ETFs auf Altcoins wie Solana und XRP, was auf frischen Wettbewerb und Diversifikation hindeutet.
Trotz der deutlichen Abflüsse in der vergangenen Woche wurden zu Beginn dieser Woche wieder neue Zuflüsse bei Bitcoin- und Ethereum-ETFs registriert, die zusammen 1,06 Milliarden USD erreichten, wobei ETH-Zuflüsse jene von BTC übertrafen. In den letzten Tagen zeigte sich eine Serie von Zuflüssen: Bitcoin-ETFs summierten sich auf 2,25 Milliarden USD, Ethereum auf 1,06 Milliarden USD. Die Grösse und Konzentration, insbesondere bei BTC-ETFs, deuten auf ein institutionelles Re-Risking über die grössten und kostengünstigsten Vehikel wie BlackRocks IBIT und Fidelitys FBTC hin.
Marktstimmung – Von Verunsicherung zu wachsender Zuversicht
Das Stimmungsbarometer hellte sich diese Woche auf, ohne jedoch in Euphorie zu kippen. Der CNN Fear & Greed Index liegt bei 53 – „Neutral“ – und signalisiert, dass Aktien die jüngsten Schlagzeilen verdaut haben und nun eher innehalten, statt weiter anzugreifen.
Bei digitalen Assets verbesserte sich die Stimmung deutlich schneller. Der Crypto Fear & Greed Index zeigt 63 „Gier“, ein starker Sprung von 28 „Angst“ am vergangenen Freitag. Auch der Indikator von CoinMarketCap erzählt eine ähnliche, wenn auch etwas verhaltenere Geschichte: 57 „Neutral“, nach 32 „Angst“ in der Vorwoche – ein Hinweis auf eine Verbesserung mit vereinzelter Zurückhaltung.
Die Stimmung unter Privatanlegern bleibt geteilt. Laut der AAII-Umfrage sind 42,9 % bullish, 17,9 % neutral und 39,2 % bearish – nahezu unverändert gegenüber der Vorwoche. Vertrauen baut sich auf, Überzeugung jedoch nicht.
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Wichtige Termine in der kommenden Woche
Nachfolgend finden Sie einige der wichtigsten Datenveröffentlichungen, auf die Sie nächste Woche achten sollten.
Montag, 6. Oktober 2025
- Schweiz – Arbeitslosenquote
- Eurozone – Detailhandelsumsätze MoM, YoY
Mittwoch, 8. Oktober 2025
- USA – FOMC-Protokoll
Donnerstag, 9. Oktober 2025
- USA – Rede von Fed-Präsident Powell
- USA – Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe
Freitag, 10. Oktober 2025
- Japan – Produzentenpreisindex (PPI) MoM, YoY
